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Oelixdorfer Gilde


Die Oelixdorfer Gilde


Als Brand- und Feuergilde für die Dörfer Schlotfeld, Kollmoor, Winseldorf und Oelixdorf von Ritter Johan von Rantzau gegründet, stand sie nicht nur für die gegenseitige Hilfeleistung im Brandfall ein, sondern auch für die Geselligkeit.
In der von Ritter Johan von Rantzau verfassten Gilderolle sind in acht Punkten die Regeln der Gilde niedergeschrieben, nach denen sich die Gildebrüder und Glildeschwestern zu richten haben. Im Laufe der Jahre wurden diese Punkte bestätigt oder ergänzt. Weitere Gilderollen stammen aus den Jahren 1651, 1694, 1766, 1812, 1834. Den Einhalt der Regeln überwacht der Ältermann, der auch bei Verstoß oder Fehlverhalten eines Gildemitgliedes Strafen verhängen kann.
Eines der geselligen Höhepunkte war das Vogelschießen, das am Dienstag nach Pfingsten abgehalten wurde.
Da nun aber die Feuer- und Brandgilde vor dem 1. Weltkrieg ihre Bedeutung durch die entstandenen Feuerversicherungen verlor, taucht erstmals 1920 der Begriff " Lustgilde" auf. Zwar stand die ursprüngliche Bedeutung der gegeseitigen Hilfeleistung nicht mehr im Mittelpunkt, dafür wurde aber der gesellige Teil mit seinem überlieferten Brauchtum erhalten.



Wie vor 468 Jahre ruft der "Ältermann", der Vorsitzende der Gilde, am Aschermittwoch seine Achtmänner, das sind die 8 Vorstandsmitglieder, zusammmen, um die Planung für die kommende Gildefeier zu beginnen. Es müssen die Schaffer, Helfer der Gilde, angeworben werden und die Gildekasse muß überprüft werden.
Jedes Vorstandsmitglied legt dann dar, wie er sich seine Mitarbeit an der Gestaltung des Festes vorstellt.
Am ersten Freitag im Mai trifft sich der Vorstand ein zweites mal, um noch offene Punkte zu klären .
Der Sonntag vor Pfingsten wird genutzt, um den Schießstand im Schlang zu säubern und um die, von den Grundschülern der Oelixdorfer Grunschule , kolorierten Werbeplakate im Dorf aufzuhängen.
Noch bis 1992 fand das Gildefest immer am Montag der ersten vollen Woche nach Pfingsten statt. Auf Grund der vielen Berufstätigen beschloss man in einer Vorstandssitzung, die Gilde Feier auf das Wochenende zu verschieben.



Gildeplakat von 20.05.2005 ausgemalt von Marco Teckenburg, damals 4. Klasse



Am Ablauf des Festes hat sich aber auch durch die Verschiebung nichts geändert. Wie in all den Jahren wird sich am Freitagmorgen zum Schmücken des Gildesaales getroffen, um dann am Abend nach der Generalversammlung, auf der Wahlen, Kassenbericht und Neuerungen besprochen werden, den eigentlichen Festakt mit dem" Beerprövabend" zu beginnen. Traditionell sitzen Damen und Herren an getrennten Tischen - am ganzen Abend ist Damenwahl angesagt. Wie in der alten Zeit wird das, von dem Gildewirt spendierte Gildebier, in den alten Zinnkrügen von Gildebruder zu Gíldebruder /von Gildeschwester zu Gildeschwester im Uhrzeigersinn weitergereicht.
Früher fand das Fest immer auf dem Hof eines Gildebruders statt, heute trifft man sich im Gasthof " Unter den Linden".

Freibier gibt es aber nur bis Sonnenuntergang - und der wird vom Ältermann bestimmt.



Die Regeln des Beerprövabend
gildesatzung10gebote.pdf [1.557 KB]




Am Samstagmorgen treffen sich die Gildemusiker in dem Gasthof "Unter den Linden", um gemeinsam mit dem Gildevorstand und den Gildemitgliedern das Dorf mit einem Umzug zu wecken. Der Umzug führt von dem Gildewirt zum amtierenden Gildekönig,
hier wird die Gilde mit einem Frühstück von König und Königin bewirtet. Nach der Stärkung wird nun der Weitermarsch zum Gildeschießstand im Schlang angetreten. Hier beginnt das Ausschießen des neuen Königs und der Königin. Jeder, der den Mitgliederbeitrag gezahlt hat, kann zwei Schüsse mit dem Kleinkalibergewehr auf das 75 m entfernte Ziel der Naturschießanlage abgeben. Trifft der Schütze ins Schwarze wird ihm durch den Gildeschreiber, nach der Tradition immer der Schulmeister - heute der Rektor der Grundschule - ein "Hut" gut geschrieben. Der Schießmeister zeigt dies auch mit einem Hut an und die Kapelle spielt dazu die Melodie "Oh Hannes wat een Hut". Sollte aber der Schuss vorbei gehen heißt es "Kremperheide"( = weit weg ) und wird auch mit einer besonderen Melodie bedacht. Egal welche Melodie erklingt Schießmeister und Gildeschreiber erhalten ein Freigetränk.




Nach Beendigung des Schießen geht es dann wieder zum Gildewirt, wo nach den Salutschüssen und dem Schleswig - Holsteinlied ein gemeinsames Essen folgt.

Abends wird der Gildekönig auf dem Festball proklamiert. Als Zeichen seiner Königswürden trägt er die Gildekette mit dem am unterem Ende hängenden silbernen Vogel mit der eingravierten Jahreszahl von 1593. Mit dem Königstanz und dem Schaffertanz wird der Festball eröffnet. Ein großes Vergnügen bereitet es den weiblichen Besuchern des Balls, dem Vorstand die Gildelade, eine 34 cm breite und 53 cm lange Kiste, in der sich Gilderolle und Gildebecher befinden, vom Vorstandstisch zu rauben. Dies kann aber nur dann geschehen, wenn der komplette Vorstand zum Tanz aufgefordert ist. Um die Kiste auszulösen muß der Ältermann versuchen, sie durch einige Flaschen Wein zurück zu kaufen. Der "Preis" der Lade wird ermittelt, indem sich die Damen mit mindestens einem Fuß für mindesten 10 Sekunden in einer möglichst großen Anzahl auf die Lade stellen, wobei keine der Damen mehr den Saalboden berühren darf. Die Anzahl der Damen entspricht der Anzahl der Flaschen Wein.
Der letzte Tanz ist der" Rasentanz " , barfuß im Kaffeegarten des Gasthofes bei Sonnenaufgang am Sonntag.

Und auch, wie schon am Beerprövabend - Sonnenaufgang wird vom Ältermann bestimmt.


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